Kultursaat-Zuchtgärten

Unsere praktischen Züchtungsaktivitäten finden on-farm in biologisch-dynamisch bewirtschafteten Zuchtgärten an rund 30 Standorten in Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden statt. In den Erwerbsanbau integriert oder auf reinen Zuchtbetrieben werden die künftigen Sorten entwickelt.

 

Maya HeilmannMichiel GroenKoRnzeptPeggy GiertzDe Beersche HoeveThomas HoedjesThomas MauerUlrich QuendtCulinarisSilke WedemeyerSonja LangeSebastian VornheckeMaria BienertChristhild BrauchAnnegret RoseChristoph MatthesKornelia BeckerUte KirchgaesserThomas HeinzeStefan EysermansRalzhofPeter KieferKulturpflanzenentwicklung ObergrashofPiluweriSamuel WidmerKulturpflanzenentwicklung WulfsdorfArne von SchulzOldendorfer SaatzuchtAnnette MaaßJohanna FellnerRobert Hahn-Godeffroy

Maya Heilmann

Schloss Tempelhof, Baden-Württemberg

„Der Balanceakt zwischen Wahrnehmung und Lenkung im Kontakt mit den Pflanzenwesen, ist eine sehr dankbare und inspirierende Aufgabe.“

Der Betrieb
Die Landwirtschaft am Schloß Tempelhof ist ein regeneratives, solidarisches Landwirtschaftsprojekt. Hier baut ein Team von zehn fachkundigen Mitarbeitern zusammen mit vier Auszubildenden die Lebensmittel für das Ökodorf Schloß Tempelhof und seiner Umgebung an. Insgesamt 32 ha Grün- und Ackerland, arrondiert um das Dorf gelegen, werden biologisch-regenerativ bewirtschaftet. In der Gärtnerei werden über 50 Gemüsesorten und vielerlei Kräuter in drei großen Folienhäusern angebaut. Fast alle Jungpflanzen werden selbst angezogen. Das Klima ist relativ rau und die Böden schwer - mit sandigem Ton bis Ton und maximal 45 Bodenpunkten. Die Gärtnerei liegt auf fast 600 Höhenmeter mit 700 mm Jahresniederschlag.

Die Züchterin
Ihre gärtnerische Reise begann mit dem Studium der Anthropologischen Landwirtschaft, wofür sie drei Jahre in Bolivien lebte, um die lebendigen Weisheiten der einheimischen Aymara-Landwirtschaft kennen zu lernen. Um geschlossene Kreisläufe und Verlebendigung des Bodennahrungsnetz im westlichen Kontext zu verstehen, hat sie die Freie Ausbildung für biologisch-dynamischen Gemüsebau in Deutschland absolviert. In ihrem letzen Lehrjahr lernte sie bei Ulrike Behrendt in der Oldendorfer Saatzucht. Hier hat ihr die Arbeit an der Gestalt der Pflanzenwesen sehr zugesprochen. Seitdem begleitet sie die Arbeit der Gemüsezüchtung, Forschung und Saatgutvermehrung.

Seit 2014 lebt sie in der Gemeinschaft Schloß Tempelhof, wo sie ihrer Leidenschaft für die Landwirtschaft im gemeinschaftlichen Kontext nachgehen kann. Hier beschäftigt sie sich intensiv mit dem biointensiven Gemüsebau, Züchtung und Vermehrung, Mischkulturen, Komposttees, und anderem.

Die Züchterische Arbeit
2015 hat Maya Heilmann begonnen kleine Aufträge im Bereich Forschung, Züchtung und Vermehrung anzunehmen. Dabei arbeitet sie an einer Vielzahl von Kulturen – unter anderem: Tomate, Salat, Kohl und Rote Beete - für Linien-Sichtungen oder den Versuchsanbau.

Für die Bingenheimer Saatgut AG hat sie Vermehrungsaufträge für Gurke und Salat erfüllt.

Seit 2019 arbeitet sie an vermarktungsfähigen Liniengemischen von Batavia- und Kopfsalaten. 2021 übernahm sie die Züchtungsarbeit einer vielversprechenden, bauchigen Chinakohlline von Ulrike Behrendt und die Fachgruppenleitung für Chinakohl bei Kultursaat.

Michiel Groen

Murr, Baden-Württemberg

Gärtnerei von Woedtke  
Murr liegt im Naturraum Neckarbecken in 196 bis 261 Meter Höhe an der Murr. Dort arbeitet und züchten Stefan Eysermans und Michiel Groen in der vielseitigen Gärtnerei von Woedtke, die seit 1987 Demeter Vertragspartner ist. Stefan Eysermans züchtete die Melone Murrmel, die unter anderem von der ansässigen Eisdiele, mit der Demeter-Milch vom örtlichen Demeter-Hof, zu einem leckeren Eis verarbeitet wird. Das "besondere" an der Murrmel ist nämlich ihr Geschmack. Michiel Groen hat seinen züchterischen Schwerpunkt auf die Verbesserung von Chinakohl und Romanesco gelegt. 

Stefan Eysermans` Neuzüchtung: 
Melone: Murrmel

Michiel Groens Neuzüchtung:
Lauch: Haldor
Blumenkohl: Amabile

Zusätzlich Erhaltungszüchtung:
Feldsalat: Elan
sowie Stangenbohne, Tomate, Lauch, Sellerie, Kohlrabi, Radies, verschiedene Salate und Rote Bete.

KoRnzept

Gundelfingen, Baden-Württemberg

Peggy Giertz

Altglobsow, Brandenburg

BioZyg - nachhaltige Blumen aus dem Biozüchtergarten
Die von Peggy Giertz biologisch dynamisch bewirtschafteten Flächen liegen im Ruppiner Seenland, im Norden Brandenburgs. Ihr kleiner Gartenbaubetrieb ist Teil einer Betriebsgemeinschaft auf dem Biohof Kepos mit Gemüse- und Ackerbau und einem Selbsterntefeld für Besucher.

Die Landschaft ist geprägt von Buchen und Kiefernwäldern, Seen, Wiesen und Äckern. Das wellige Relief verdankt sie der Weichselkaltzeit. Die für Grundmoränen typischen Hohlformen und Seen bedingen ein kühleres Klima mit frühen Früh- und späten Spätfrösten. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 8,3 °C und im Schnitt fallen im Jahr 568 mm Niederschlag.

Auf dem Betrieb herrscht als Bodenart lehmiger Sand vor mit 20-25 Bodenpunkten.

Peggy Giertz betreibt auf ihrem Betrieb Saatgutvermehrung für verschiedene Saatgutanbieter. Außerdem baut sie saisonale Schnittblumen und Stauden an. Für Kultursaat betreut Peggy Giertz seit 2020 verschiedene Sorten aus dem Sortenarchiv des Vereins. Hier arbeitet sie vor allem mit Blumen, Kräutern und Heilpflanzen.

De Beersche Hoeve

Oostelbeers, Niederlande

„Züchtung ist die Zusammenarbeit von Kultur und Natur!“

DER BETRIEB 
De Beersche Hoeve ist ein biologisch-dynamischer Betrieb, der 20 ha auf dem wunderschönen Landgut Baest bei Eindhoven im Süden der Niederlande bewirtschaftet. Die Hälfte der Fläche, etwa 11 ha, wird für Züchtung und Saatgutvermehrung genutzt, darunter auch 2.000 m2 Folientunnel. Auf den übrigen Flächen stehen Klee-Grasbestände, Getreide und Blühstreifen. Die Äcker sind alte Kulturböden, leichte Sandböden mit einer bis zu 1 Meter tiefen Humusschicht.

Seit 2017 ist De Beersche Hoeve ein 100 %-iger Tochterbetrieb der Bio-Handelskooperative Cooperatie Odin. Damit ist eine langjährige Kontinuität gewährleistet, insbesondere mit Blick auf einen zukünftigen Generationswechsel. Die Kombination von Züchtung und Gemüseanbau ist bewusst gewählt, um samenfeste Sorten über Odin-Läden zu vermarkten. Die Verflechtung mit Partnern der Wertschöpfungskette wird aktiv gesucht. So ist De Beersche Hoeve ein Zuchtstandort in der FAIR-BREEDING® Partnerschaft zwischen Kultursaat und dem Verein Naturata International – Gemeinsam Handeln. 2018 startete ein auf zehn Jahre angelegtes Kürbiszüchtungsprojekt mit finanzieller Unterstützung verschiedener Wirtschaftspartner.

DAS ZÜCHTERTEAM
René Groenen, Gineke de Graaf, Edwin Nuijten und Teun Luijten: dieses Quartett sind die festen Mitarbeiter von De Beersche Hoeve. Waren erst nur René und Gineke für den Betrieb verantwortlich, werden sie seit einigen Jahren tatkräftig von Teun und Edwin unterstützt. Edwin ist als promovierter Züchter für die Züchtung zuständig und Teun, ehemaliger Koch, vor allem für die Saatgutvermehrung. Gegenseitige Hilfe in den verschiedenen Arbeitsbereichen ist üblich.

ZÜCHTERISCHE ARBEIT
Gezüchtet wird an Endivien (Frühund Herbstanbau), Chinakohl (Herbstanbau), Blumenkohl (Frühund Herbstanbau), Romanesco, Rote Bete (u.a. zur Färbung von Lebensmitteln), Roter Grünkohl, Kürbis (u.a. Buschtyp mit gutem Geschmack), Spinat (Grundlagenforschung: Toleranz gegen Falschen Mehltau), Zwiebel, Weiße Lupinen (geringer Alkaloidgehalt und Anthraknosetoleranz). Neben der Neuzüchtung wird Erhaltungszüchtung auf De Beersche Hoeve durchgeführt, z.B. bei Knollenfenchel, Spinat und Erbsen.

Thomas Hoedjes

Eindhoven, Niederlande

„Ich möchte Kulturpflanzen entwickeln, die vital und lebenskräftig sind und einen ausgewogenen Geschmack haben – das ernährt die Menschen wirklich. Das Schöne ist, dass ich in enger Zusammenarbeit mit der Pflanze, unter Wirksamkeit der vier Elemente, die Erde weiterentwickeln kann.“

DER BETRIEB
Innerhalb der Stadt Eindhoven liegt der biologisch-dynamische Gemischtbetrieb De Genneper Hoeve. Auf den Flächen wird seit mehr als tausend Jahren Landwirtschaft betrieben. Der 125 ha große Betrieb umfasst Grünland, Getreidebau, Viehwirtschaft (Milchvieh und Legehennen), Gemüsebau, Landschaftspflege und eine hofeigene Käserei. In den verschiedenen Bereichen arbeiten Menschen mit Behinderung. Thomas Hoedjes nutzt seit 2016 als selbständiger Züchter Flächen innerhalb der Fruchtfolge des Gemüsebaus. Das Gemüse wird direkt im Hofladen vermarktet.

DER ZÜCHTER
Thomas Hoedjes war schon als Kind begeistert von Pflanzen, insbesondere auch von der Formund Farbenvielfalt der Samen. Während eines Praktikums in Deutschland erlernte er die Saatgutvermehrung. Nach einer Ausbildung zum biologisch-dynamischen Gärtner auf dem Warmonderhof im Jahr 2012 begann er mit Freiwilligen auf ein paar Hektar Land, Gemüse für arme Menschen in und um Eindhoven anzubauen. Dabei entstanden seine ersten Züchtungsversuche mit Möhren. 2015 bis 2017 nahm er mit Freude an der Züchterfortbildung von Kultursaat teil. Thomas Heodjes ist es ein großes Anliegen, Pflanzen im Kontext eines Gemischtbetriebes züchterisch zu bearbeiten, wo sie neben dem Menschen in Wechselwirkung mit den Tieren stehen.

ZÜCHTERISCHE ARBEIT
Der Einstieg in die Züchtungsarbeit bei Kultursaat begann 2017 mit einer Sichtung von über zehn roten Stangenselleriesorten und anschließender Selektion aus großen Beständen. Ziel und Motivation des Projektes ist es, eine gut schmeckende, anbaufähige Sorte für dieses spezielle Segment zu entwickeln. Neben dem roten Stangensellerie arbeitet Thomas Hoedjes an der Weiterentwicklung von Möhren-, Rote Beteund Fenchelsorten. Zusätzlich macht er Erhaltungszucht von Möhren und Blumen.

Thomas Mauer

Kassel, Hessen

„An mir liegt es, die Pflanze gut kennenzulernen, damit ich ihr den Raum geben kann, den sie benötigt, um sich zu zeigen.“

DER BETRIEB
Der Waldhof liegt am Rande des Bergparks Wilhelmshöhe in Kassel und ist Lernort für die naturnahe Ausbildung der Erzieherinnen und Erzieher des nahegelegenen Rudolf Steiner Instituts. Auf einer Fläche von 4 ha findet sich eine große Vielfalt an Landnutzungsformen: Obstwiesen, Hecken, Äcker und Baumhaine. Der gärtnerische Schwerpunkt liegt in der biologisch-dynamischen Saatgutvermehrung und Erhaltungszüchtung einer Vielzahl unterschiedlicher Blumen-, Kräuterund Gemüsesorten. Eingebunden in die Fruchtfolge des Waldhofes findet die Züchtungsarbeit statt.

DER ZÜCHTER
Züchtung heißt für Thomas Mauer, zunächst die Pflanze durch Anbau und Betrachtung näher kennenzulernen. Was bringt die Pflanze mit? Was hat sie in ihrem ursprünglichen Lebensraum entwickelt? Wie zeigt sie sich aufgrund der Bedingungen auf dem Waldhof? Wie verhält sie sich über verschiedene Jahre und unter unterschiedlichen Kulturbedingungen? Es ist ihm eine Freude, bei den Beobachtungen die Pflanzen mit ihren Eigenschaften immer mehr zu entdecken.

Als Züchter ist es ihm dabei wichtig, den Pflanzen ihren Raum zu geben, um sich zeigen zu können. Seine Motivation schöpft er aus dem Austausch mit anderen Menschen bei der züchterischen Arbeit. Sie bereichern ihn besonders mit den jeweiligen Blicken auf unsere Kulturpflanzen.

ZÜCHTERISCHE ARBEIT
Auf dem Waldhof sind Thomas Mauer und sein Team vor allem mit der Sichtung und Erhaltungszüchtung vielfältiger Kulturen betraut. Unter anderem werden die Qualitä- ten und Merkmale der Schwarzwurzel Hoff- manns Schwarze Pfahl, der Stangenbohne Preisgewinner, der Tomate Matina und Kul- tursauerampfer erhalten. Bei vielen Blumen werden aus den Vermehrungsbeständen die typischen, gesunden Pflanzen mit kla- ren Farben selektiert und deren Saatgut se- parat geerntet. Dadurch soll gewährleistet werden, dass für zukünftige Vermehrungen gutes Ausgangssaatgut erhalten bleibt. Züchterisch arbeitet das Team des Waldhofs an der Schnittlauchsorte Schmitt. Dabei gilt es zunächst, die vielfältigen Ausprägungen der Pflanzen zu sehen. Es werden morpho- logische Eigenschaften, die Widerstands- kraft und zum Beispiel die Wüchsigkeit angeschaut und sensorische Eigenschaften evaluiert. Die selektierten Pflanzen mit aus- gewählten Eigenschaften blühen miteinan- der ab. Neben den ackerbaulichen Kulturen wird auf dem Waldhof mit Äpfeln, Birnen und Walnüssen züchterisch gearbeitet. Da- bei werden alte, robuste und ertragsstarke Sorten mit neueren Sorten gekreuzt, um wi- derstandsfähige und geschmacklich interes- sante Sorten für den ökologischen Anbau zu entwickeln.

Ulrich Quendt

Altenhasungen, Hessen

„Für die zukünftigen biologisch-dynamischen sowie ökologischen Sorten müssen wir gemeinsam neue Ansätze für deren Züchtung entwickeln und umsetzen.“

DER BETRIEB
Der Zuchtstandort befindet sich auf dem Eschenhof in Altenhasungen, 20 km westlich von Kassel. Die Flächen des Erbsenzuchtgartens sind in die vielfältige Fruchtfolge des langjährig biologisch-dynamisch bewirtschafteten Demeter-Hofes eingebunden. Der Standort ist geprägt von lehmigen Böden, einem durchschnittlichen Niederschlag von 700 mm und einer Durchschnittstemperatur von 9 °C. Auf den 150 ha des Eschhofes wachsen und gedeihen Getreide, Kartoffeln, Gemüse und das Futter für die Milchkühe und Rinder.

DER ZÜCHTER
Ulrich Quendt begann 1998 die freie Ausbildung zum Landwirt in Norddeutschland. Nach einigen Jahren der praktischen Tätigkeit im Ackerbau, Gemüseund Kräuteranbau nahm er das Studium der Ökologischen Landwirtschaft mit Schwerpunkt Pflanzenzüchtung auf. Parallel zum Studium erfolgte der Einstieg in die biologisch-dynamische Züchtung. Seit 2019 ist er als KultursaatZüchter tätig und baut eine ökologische Zuckererbsenzüchtung auf. Für Ulrich Quendt ist Züchtung ein kontinuierlicher Prozess, der nicht mit einer gerade fertigen Sorte endet, sondern die Pflanzen sollen die Möglichkeit erhalten, sich immer wieder neu an verändernde Umweltbedingungen anzupassen. Er möchte die Vielfalt der Kulturpflanzen erhalten und weiterentwickeln. Wobei er die Züchtung als gemeinnützige Kulturaufgabe versteht und jegliche Patente auf Leben ablehnt. Seine Wahrnehmung, dass biologisch-dynamisch erzeugte Lebensmittel, neben dem vordergründigen Geschmack und den Inhaltsstoffen, den Menschen seelisch ernähren und beleben können, ist eine weitere Motivation seiner Arbeit.

ZÜCHTERISCHE ARBEIT
Eine Vielzahl an Zuckererbsensorten ist schon vorhanden. Jede Sorte bringt einzelne Eigenschaften mit, die für sich genommen gut sind, jedoch noch nicht in einer Sorte kombiniert wurden, oder noch nicht an den Standort oder die ökologische Wirtschaftsweise angepasst sind. Daraus entstehen Spielräume für neue Kombinationen, beispielsweise eine gute Standfestigkeit mit einem mittelhohen Wuchs und großen, faserlosen Hülsen. Mittels der klassischen Kreuzungszüchtung entstehen kreativ lenkend neue Sorten. Von Ulrich Quendt werden neue Methoden für die ökologische Zuchtgartenführung erprobt, wie der Anbau der Erbsen im Gemenge mit Getreide als Stützfrucht, Beikrautunterdrückung und zur Trennung der verschiedenen Erbsenzuchtlinien. Fragen der Nahrungsmittelqualität von Erbsen und allgemein Hülsenfrüchten für den Menschen sollen in die zukünftige Arbeit einfließen.

Culinaris

Göttingen, Niedersachsen

„Samenbau und Züchtung gemeinsam in der Region und für die Region mit möglichst hohem Anteil der Wertschöpfung für die Gärtnerinnen und Gärtner – das begeistert uns!“

DER BETRIEB
Culinaris ist ein Demeter-Saatgutbetrieb im fruchtbaren Leinetal südlich von Göttingen. Die Niederschläge betragen im langjährigen Mittel 650 mm bei einer Jahresdurchschnittstemperatur von 8,5 °C. Das Ziel des Betriebes ist es, für Hausgarten, Balkon und Direktvermarktung hochwertige Gemüsesorten zur Verfügung zu stellen, die im Garten und auch auf dem Teller voll überzeugen können. Die Aktivitäten reichen von der Sortenentwicklung und Sichtung über Erhaltungszüchtung, Samenbau und Abfüllung bis hin zur Vermarktung. Auch an einem Nebenstandort (der LohmannsHof Gärtnerei von Max Rehberg) in der Norddeutschen Tiefebene in Westen an der Aller werden Tomaten gezüchtet.

DAS ZÜCHTERTEAM
Bei Culinaris sind aktuell Bernd Horneburg, Max Rehberg, Moritz Halekotte und Matthias Stagge züchterisch tätig.

ZÜCHTERISCHE ARBEIT
Im Hauptfokus der züchterischen Tätigkeit steht als Kulturpflanze die Tomate. Wesentliche Ziele sind Freilandtauglichkeit (dies gilt natürlich nicht bei der Züchtung für den geschützten Anbau), Vitalität, Robustheit sowie sehr guter Geschmack und sehr gutes Aroma.

Im Rahmen von Kultursaat hat Bernd Horneburg sich primär mit der Pastinake beschäftigt. Er begann 1995 mit der Arbeit an Pastinaken. Aus dem Zuchtprogramm wurde die geschmacklich hervorragende Sorte Aromata entwickelt, die lange, schlanke, leicht butterfarbene Rüben bildet.

Die Verbesserung der sensorischen Qualität der Nahrungspflanzen und der Methoden dazu sind ein vorrangiges Entwicklungsziel.

Silke Wedemeyer

Sudershausen, Niedersachsen

„Mit allen Sinnen sorgsam selektieren, um samenfeste Sorten mit harmonischen äußerlichen und innerlichen Qualitäten zu entwickeln und so unsere Ernährungssouveränität und -zukunft sichern.“

DER BETRIEB
Kulturpflanzenvielfalt und -entwicklung ist ein großes Anliegen im Familienbetrieb Wedemeyer. Die ca. 6 ha Betriebsfläche wird bereits seit 1950 biologisch bewirtschaftet, seit 2014 biologisch-dynamisch. Der Betrieb befindet sich im schön gelegenen Westerhöfer Bergland nördlich von Göttingen auf Buntsandsteinverwitterungsböden mit durchschnittlich 650 mm Jahresniederschlag.

Den betrieblichen Schwerpunkt bilden Neuzüchtung von Gemüsesorten, Sortenerhaltung und Saatgutvermehrung. So wird im Rahmen des Kultursaat-Netzwerkes züchterisch an den Kulturen Knollenfenchel, Tomate, Zwiebel und Zucchini gearbeitet. Weiter werden Kürbis, Mangold, Schnittlauch und Tomaten für die Bingenheimer Saatgut AG vermehrt und erhaltungszüchterisch bearbeitet. Daneben gibt es einen kleinen Marktgemüseanbau und etwas Getreide und Grünland.

DIE ZÜCHTERIN
Silke Wedemeyer ist schon lange im Bereich Pflanzenzüchtung tätig. Mit einer technischen Ausbildung im Bereich Pflanzenzüchtung begann die züchterische Laufbahn, es folgten weitere Jahre züchterischer Tätigkeit im Bereich Leguminosenzüchtung und schließlich das Studium der Pflanzenzüchtung an der Universität Göttingen. Im eigenen Gemüsebaubetrieb begannen kleinere eigenständige Züchtungsarbeiten, darunter Hofsortenselektion bei Tomaten. Es reiften goetheanistische und anthroposophische Ansätze, die der Züchterin einen tiefgehenden Zugang zu den Pflanzen ermöglichten.

ZÜCHTERISCHE ARBEIT
Zwei wichtige Pfeiler des züchterischen Konzeptes sind einerseits die stetige Verfeinerung des Züchterblickes an den bearbeiteten Kulturen, andererseits die stetig wachsende Vernetzung mit anderen Züchtern und Zuchtstandorten, um Linien auszutauschen und gemeinsam zu beurteilen. Aus der Teilnahme in verschiedenen Arbeitsgruppen fließen fruchtbare und schöpferische Impulse in die eigene Arbeit zurück. So wurden im Rahmen des vom Bund geförderten Projektes ProZucchini die Untersuchung von Sorte-Umweltinteraktionen möglich sowie die gemeinsame Weiterentwicklung von sensorischen Tests. Durch den Aufbau eines kollaborativen Tomatennetzwerks konnten vielortige, internationale Sichtungen ein breites Sortenund Linienspektrum für sinnvolle Kreuzungseltern beschreiben. Durch züchtungsforscherische Arbeit an meditativen Methoden konnte das innere Wesensbild des Knollenfenchels tief erschlossen werden und der methodische Ansatz für weitere Kulturen genutzt werden. Neben den klassischen Selektionsmethoden sind Behandlungen mit Eurythmie oder Winterkräften züchterischer Alltag.

Aus der Neuzüchtung am Hof konnten bereits die Cherry-Tomaten Trixi und Goldiana sowie die Salat-Tomate Bellarubin zugelassen werden und den Weg in die Praxis finden. Die Zwiebel Rose de Keruel befindet sich in der Anmeldung.

Sonja Lange

Lindewerra, Thüringen

„Mich fasziniert die Fülle der Kulturpflanzenwelt verbunden mit der Neugier nach verborgenen Eigenschaften der Pflanzen.“

DER BETRIEB
Lindewerra liegt am westlichen Rand des Eichsfeldes im schönen Werratal etwa 30 km südlich von Göttingen. Die biologisch-dynamisch bewirtschafteten Böden der 1,3 ha großen Fläche sind eher schwer mit ca. 70 Bodenpunkten, zumeist lehmiger Schluff auf Buntsandstein. Die durchschnittliche Jahrestemperatur liegt bei 8,9 °C, der Jahresniederschlag bei etwa 650 mm.

DIE ZÜCHTERIN
Nach dem Agrarstudium erfolgten unterschiedlichste Tätigkeiten, unter anderem im Erwerbsgemüsebau. Vom Samenbau fasziniert begann Sonja Lange 2010 mit dem Aufbau eines kleinen Saatgutvermehrungsbetriebes. Ziemlich bald kamen Erhaltungszucht, Sortensichtungen und eigene Züchtungsprojekte hinzu. Durch die Fortbildung biologisch-dynamische Pflanzenzüchtung und durch die Offenheit der einzelnen Züchterinnen und Züchter war es ihr möglich, tiefere Einblicke und mehr Verständnis für die Züchtungsarbeit bei Kultursaat zu erhalten.

Seit 2015 ist Sonja Lange zusammen mit Thomas Heinze an der Durchführung und Organisation der Fortbildung biologisch-dynamische Pflanzenzüchtung beteiligt.

ZÜCHTERISCHE ARBEIT
Neben der Saatgutvermehrung von Blumen und der Erhaltungszucht von Feldsalat, Kräutern und verschiedenen Blumen liegt der Schwerpunkt momentan in der Züchtung von Knoblauch. Hier sollen robuste, standortangepasste und bekömmliche Sorten selektiert werden. Weiterhin werden Kräuter wie Petersilie, Dill, Kerbel und Schnittlauch sowie Rettich, Zwiebel aber auch Blumen züchterisch bearbeitet. Ebenso wie beim Gemüse verschwinden alte Blumensorten zusehends und werden durch Sorten aus Hybridzüchtung und andere umstrittene Methoden ersetzt. Hier gilt es, alte samenfeste Sorten zu sammeln, zu bewahren und gegebenenfalls weiterzuentwickeln. Die Arbeit auf dem eigenen Standort wird ergänzt durch die Lebendigkeit und den Austausch im Netzwerk der Züchter von Kultursaat.

Sonja Lange ist es ein Anliegen, samenfeste Sorten zu erhalten, weiterzuentwickeln und neben den Ansprüchen des Erwerbsgemüsebaus besonderes Augenmerk auf die inneren Qualitäten und den Geschmack zu legen. Methodisch wird hauptsächlich mit positiver Massenauslese auf äußere Merkmale gearbeitet, anschließend erfolgt eine Auslese auf Innenqualität und Geschmack.

Aus der Züchtungsarbeit sind bereits der Knoblauch Thüla sowie die Zinnie Sommer in Orange hervorgegangen.

Sebastian Vornhecke

Vatterode, Thüringen

„Die Frage hinter der Frage hat mich vom Gemüseanbau über die Saatgutvermehrung zur Züchtung getragen, um nun biologischdynamische Gemüsesorten im Zusammenspiel mit der Natur zu entwickeln ohne diese beherrschen oder zwingen zu wollen.“

DER BETRIEB
Der im Jahr 2010 in Vatterode gegründete Demeter-Betrieb Walsegarten liegt in der malerisch, hügeligen Landschaft des thüringischen Eichsfeldes, etwa 30 km südlich von Göttingen. Die Hilfsbereitschaft der Nachbarbetriebe und der Dorfbewohner Vatterodes haben die schwierige Phase des Betriebsaufbaus maßgeblich erleichtert. Die tonigen Lehme der sich abwechselnden Buntsandsteinund Muschelkalk-Verwitterungsböden bieten auf den meist hängigen Ackerflächen (12 ha) recht unterschiedliche Bedingungen für die angebauten Kulturen.

Außer der Züchtung von Gemüse auf biologisch-dynamischer Grundlage gehört die Saatgutvermehrung samenfester Gemüsesorten zu den Kernkompetenzen des Betriebes. Die Selektion von Kopfkohl erfolgt in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit größeren Kohlanbaubetrieben in Nordund Mitteldeutschland.

DER ZÜCHTER
Sebastian Vornhecke, geboren 1976 in Essen, ist gelernter Landwirt, Gartenbaumeister für Gemüse und hat die Fortbildung in biologisch-dynamischer Gemüsezüchtung absolviert.

ZÜCHTERISCHE ARBEIT
Nachdem Sebastian Vornhecke von Thomas Heinze die Erhaltungszüchtungen der Buschbohnensorte Maxi und der Rotkohlsorte Amarant übernommen hatte, begann er im Jahr 2015 mit einem ersten Neuzüchtungsprojekt im Bereich Rotkohl. Sowohl die positive Massenauslese aus älteren Sorten als auch Kreuzungen stehen hier am Anfang. Über wiederholte Lagerversuche und Geschmacksselektion soll eine biologischdynamische, charakterstarke Rotkohlsorte für die späte Lagerperiode entstehen.

Des Weiteren arbeitet Sebastian Vornhecke an rotköpfigen und grünköpfigen Kohlrüben. Neben Geschmack, Bekömmlichkeit und einer ansprechenden Fleischinnenfarbe steht hier die Putzbarkeit als Zuchtziel im Vordergrund. In den letzten Jahren weitete er seine züchterischen Aktivitäten auf Kürbis aus und Ulrike Behrendt führte ihn in die Züchtung von Salat ein. Aus der eigenen Erfahrung in der Frischmarktbelieferung entstand außerdem ein Zuchtprojekt zur Entwicklung eines dunkelgrünen Gluckentyps im Bereich Buschbohne.

Maria Bienert

Taucha, Sachsen

„Organismus kommt von Organisation, Gesundheit entspringt einer Ordnung, die uns geschenkt wird.“

DER BETRIEB
Der biologisch-dynamisch bewirtschaftete Betrieb Feldbau Maria Bienert liegt in der Leipziger Tieflandbucht in Taucha und umfasst 27 ha Acker- und Gemüsebau inklusive 2.500 m2 Gewächshausfläche. Angebaut werden Gemüse, Gemüsesamen, Getreide und Luzerne. Die Flächen sind eingerahmt von der reizvollen Parthenaue und werden durch Gründüngung, Komposte und intensive Präparatearbeit gepflegt. Bodenfruchtbarkeit und Pflanzengesundheit nehmen zu. Benachbart sind sechs weitere Betriebe, die mit ihrem ökologischen Anbau nicht nur die Landschaft beleben, sondern auch neue soziale Strukturen erproben. Der Betrieb ist Mitglied des Sterngartenprojektes. Fünf Betriebe arbeiten hier zusammen, um über 650 Haushalte wöchentlich mit frischem Gemüse und Obst zu versorgen. Das Gemüse wird in Abholstationen geliefert. Anbauer, Mitglieder und Mitarbeiter treffen sich regelmäßig, um die gegenseitigen Bedürfnisse wahrzunehmen und die Gemein- schaft weiterzuentwickeln.

DIE ZÜCHTERIN
Nach einer Ausbildung in biologisch-dyna- mischer Landwirtschaft auf dem Warmon- derhof in den Niederlanden vertiefte Maria Bienert ihre Kenntnisse auf verschiedenen Betrieben. Die Spannweite reichte vom Pfer- debetrieb mit ausschließlicher Handarbeit bis hin zum 800 ha Biobetrieb als Leiterin für den Feld- und Gemüsebau. Vom neu- seeländischen „Townsupply“- Milchviehbe- trieb als Melkerin bis zur japanischen Biome- lonenanbauerin.

Seit 1999 wirtschaftet sie auf dem Standort. Seit 2001 ist der Betrieb Demeter-zertifiziert.

ZÜCHTERISCHE ARBEIT
Über die Vermehrung kam Maria Bienert zur Erhaltungszucht, über den Gemüsebau zu ganz praktischen Fragestellung wie der Suche nach geeigneten Unterlagen für Gurken. Daraus entstand ihr erstes Züch- tungsforschungsprojekt: „Wird eine Gurken- wurzel tolerant gegenüber Bodenpilzen, wenn sie darauf selektiert wird?“ In diesem Kontext stellte sich für die Züchterin die Frage nach der Quelle des Lebens ganz praktisch.

Ihr Anliegen ist es, durch Beobachtung der Pflanzen auf dem Hof Impulse zur Anzucht, Selektion und Vermehrung der bearbeiteten Gemüsearten zu finden. Dabei vertraut sie darauf, dass die Pflanzen, die sich als ge- schmackvoll, gesund und kräftig erweisen, das Leben weitergeben. In züchterischer Be- arbeitung sind Gurke, Tomate, Möhre und Salat.

Christhild Brauch

Meißner, Hessen

„Züchtung ist im idealen Falle ein gegenseitiges Sich-Beschenken von Mensch und Pflanze.“

DER BETRIEB
Gut Mönchhof liegt im östlichen Meißnervorland auf etwa 250 m Höhe. Die Niederschlagsmenge beträgt 650 mm bei einer Jahresdurchschnittstemperatur von 8,2 °C. Die Böden sind überwiegend lehmig mit durchschnittlich 45 Bodenpunkten. Der Hof wurde 2017 übernommen und auf Demeter umgestellt. Die sukzessive aus der Pacht zurückkommende Ackerfläche wird 2022 bei 120 ha liegen, dazu kommen 17 ha Grünland, 5 ha Streuobst und 47 ha Wald. Die Viehhaltung umfasst eine im Aufbau befindliche Mutterkuhherde sowie Schafe und Esel

zur Landschaftspflege.
Der Schwerpunkt des landwirtschaftlichen Betriebes liegt in der Saatguterzeugung ökologisch gezüchteter Getreidesorten, aber auch Futterpflanzen und Gemüsearten sollen vermehrt werden. Gut Mönchhof ist der Standort eines Dinkelzuchtbetriebes sowie der hier vorgestellten Gemüsezüchtung im Rahmen von Kultursaat e.V.

DIE ZÜCHTERIN
Christhild Brauch entdeckte ihre Begeisterung für die Saatgutarbeit während der Gärtnerlehre. Durch anschließende Arbeitsaufenthalte auf biologisch-dynamischen Vermehrungsund Züchtungsbetrieben wurden die Erfahrungen insbesondere im Bereich der Erhaltungszüchtung und Züchtung erweitert. Studienaufenthalte vertieften die Kenntnisse in Botanik und Genetik sowie in anthroposophischer Pflanzenkunde und goetheanistischer Naturbetrachtung. Zunehmend kamen tiefere Fragen nach Nahrungsmittelqualität und einer Wesenserkenntnis der Pflanze, und wie aus dieser heraus „auf Augenhöhe“ mit der Pflanze zusammengearbeitet werden kann. Darauf folgte eine Einarbeitung in die Methode der Rationalen Bildekräfteforschung sowie ein Eurythmiestudium im Sinne einer „Lebenskräftekunde“. Seit 2014 arbeitet Christhild Brauch selbständig als Züchterin.

ZÜCHTERISCHE ARBEIT
Von allen Züchtungsbemühungen sind diejenigen bei Radicchio am weitesten fortgeschritten. Weitere Kulturen, die bearbeitet werden, sind Freilandgurken, Lauchzwiebeln, Pastinaken, bunte Möhren, Sommerradies, Knollenfenchel und Rosenkohl. Christhild Brauch arbeitet außerdem in der Grundlagenforschung. Ziel ist es, eine gesunde Balance zu finden zwischen den Anforderungen des Erwerbsgemüsebaues nach „äußerer“ Qualität wie Ertrag und Homogenität sowie Bedürfnissen des Konsumenten nach Wohlgeschmack, Bekömmlichkeit und Kräftepotential der Nahrungspflanze.

Annegret Rose

Erfurt, Thüringen

Christoph Matthes

Bad Vilbel, Hessen

„Züchtung als Teilnahme an einem Entwicklungsprozess verstehen und im Züchtungsgang von den Pflanzen lernen.“

DER BETRIEB
Der Betriebsgemeinschaft Dottenfelderhof bei Frankfurt am Main gehören sieben Familien an. Zusammen mit Mitarbeitern, Auszubildenden und Praktikanten bewirtschaften sie den vielfältigen Betrieb mit einer Gesamtfläche von 218 ha. Wechselnde Böden (mit durchschnittlich 68 Bodenpunkten), 616 mm Jahresniederschlag, 10,9 °C mittlerer Jahrestemperatur und eine Höhe von 106 bis 142 m über NN kennzeichnen den Betrieb. Der Dottenfelderhof wird seit 1948 biologisch-dynamisch bewirtschaftet. Die Gemüsezüchtungsaktivitäten sind eingebettet in den vielseitigen landwirtschaftlichen Gemischtbetrieb und die Landbauschule Dottenfelderhof e.V.

DER ZÜCHTER
Nach der Schulzeit begegnete Christoph Matthes zum ersten Mal der goetheanistischen Pflanzenanschauung bei Wolfgang Schad am Freien Hochschulkolleg in Stuttgart. Daraufhin sammelte er die ersten Erfahrungen im biologisch-dynamischen Landbau im Rahmen einer heilpädagogischen Camphill-Gemeinschaft in England. Nach fünfjährigem Medizinstudium absolvierte er die Ausbildung zum Gärtner im Samenbau der Gärtnerei der Lebensgemeinschaft Bingenheim, 1996/97 besuchte er das Studienjahr der Landbauschule Dottenfelderhof. Seit 1998 betreut Christoph Matthes die von Dr. habil. Hartmut Spieß begonnenen Gemüsezüchtungsprojekte.

ZÜCHTERISCHE ARBEIT
Um Vielfalt zu schaffen, betreibt Christoph Matthes Kreuzungszüchtung, vorzugsweise indem er „moderne“ Sorten in langjährig biologisch-dynamisch gepflegte Sorten oder Zuchtstämme einkreuzt. Hintergrund ist, dass von der Mutterpflanze ein größerer Einfluss auf die Qualität der neu entstehenden Sorte zu erwarten ist. Im Rahmen der Kreuzungszüchtung zur Unterstützung der Sortenentwicklung macht er außerdem Versuche mit Eurythmiebehandlungen und Wintereingrabungen (begonnen in Kooperation mit Dieter Bauer). Bearbeitete Kulturen sind Rosenkohl, Brokkoli, Zuckermais, Tomate im Freiland und ungeheizten Folientunnel und Radies.

Bisher wurden folgende Sorten an diesem Standort entwickelt: Tomate Dorenia und Bogus Fruchta, Cherry-Tomate Philamina, Rosenkohl Idemar und Zuckermais Sugrano; aus der vorangegangenen Arbeit von Hartmut Spieß stammen Tomate Quadro und Gurke Persika.

Kornelia Becker

Bingenheim, Hessen

„Immer wieder neu im Trubel des Alltagsgeschehens versuchen, die Pflanze als lebendiges Wesen zu erkennen und sich ihr mit ganzer Aufmerksamkeit und vollem Respekt widmen, dabei neben den Ansprüchen des Erwerbsgemüsebaus das innere Gleichgewicht der Kulturpflanze nicht aus den Augen verlieren.“

DER STANDORT
Die Versuchsfläche sowie Gewächshaus- und Folienhausflächen sind gepachtet von der Lebensgemeinschaft Bingenheim. Eingebettet in deren landwirtschaftlichen und gärtnerischen Betrieb werden die Flächen seit langem biologisch-dynamisch bewirtschaftet. Die ca. 0,5 ha große Versuchsfläche liegt am Übergang zum Basaltrücken des Vogelsberges am Rande der Wetterau. Es handelt sich um einen tonigen Auenlehm auf Basaltverwitterung mit 60 bis 70 Bodenpunkten

und ca. 550 mm Niederschlag in geschützter Lage. Die räumliche Nähe zur Gärtnerei und Landwirtschaft, zur Kultursaat-Geschäftsstelle, zur Bingenheimer Saatgut AG, als auch der Austausch im Kreis von Kultursaat sind grundlegend und sehr bereichernd für die züchterische Arbeit.

DIE ZÜCHTERIN
Nach dem Studium der Agrarwissenschaften hat Kornelia Becker fünfeinhalb Jahre in der biologisch-dynamischen Getreidezüchtung Peter Kunz gearbeitet. 2007 zog es sie in die Gemüsezüchtung und zum Verein Kultursaat, wo sie zunächst bei Züchter Thomas Heinze arbeitete und sich 2013 mit einem eigenen Betrieb selbstständig machte. Die Arbeit im Rahmen von Kultursaat ist ihr eine Herzensangelegenheit.

ZÜCHTERISCHE ARBEIT
Kornelia Becker arbeitet an den Kulturen Zucchini, Radicchio, Zuckerhut, Lauch und Fenchel. In der Sortenentwicklung bildet die Arbeit mit Zucchini und Zichorien einen Schwerpunkt. Gearbeitet wird mit klassischen Züchtungsmethoden. Selektiert wird gleichermaßen auf quantitative wie qualitative Merkmale, wobei neben dem Geschmack auch ästhetische Gesichtspunkte berücksichtigt werden. Innere Qualitäten werden mittels Bildschaffender Methoden überprüft. Durch die „Umgebungs“-Gestaltung mittels Präparateeinsatz und vielen Blumen wird versucht, die Umgebungsqualität des Zuchtgartens positiv zu beeinflussen. Bisher sind die grünfrüchtige Zucchini Serafina, die gelbfrüchtige Zucchini Solara sowie der Lauch Sevino aus der Arbeit hervorgegangen. Eine gestreiftfrüchtige Zucchini befindet sich im Praxistest.

Ute Kirchgaesser

Bingenheim, Hessen

„Nur aus innig verbundenem Ernst und Spiel kann wahre Kunst (Züchtung) entstehen.“ (Goethe)

DER BETRIEB

Der Betrieb umfasst 0,75 ha Freilandfläche ohne Beregnung. Die Flächen liegen am Übergang zum Basaltrücken des Vogelsberges, wo toniger Auenlehm auf Basaltverwitterung mit 60 bis 70 Bodenpunkten die Grundlage bildet. Ein 90 m2 kaltes Folienhaus ist vorhanden.

DIE ZÜCHTERIN
Mit 16 Jahren hatte Ute Kirchgaesser die erste Begegnung mit der Wirkung der biologisch-dynamischen Kompostpräparate. Die Begeisterung darüber, dass es dem Menschen möglich ist, aus einemNaturverständnis heraus sinnvoll und schöpferisch mit der Natur umzugehen, motiviert sie bis heute, ihr eigenes Verständnis für die Naturund Lebensprozesse zu vertiefen. Seit 1990 arbeitet Ute Kirchgaesser im Initiativkreis für biologisch-dynamisches Gemüsesaatgut mit. Nach einem Jahr Mitarbeit bei der Firma Hild Samen war sie vier Jahre in Gemüsebau, Saatgutvermehrung und Züchtung in Norddeutschland tätig. Von 2001 bis 2011 arbeitete sie als Züchterin in der Lebensgeimeinschaft Bingenheim, seit 2012 hat sie einen eigenen Betrieb in Bingenheim.

ZÜCHTERISCHE ARBEIT
Bei der Entwicklung neuer Sorten versucht Ute Kirchgaesser, für jede Gemüseart und Sorte spezifisch das innere Gleichgewicht zu finden. Um dies zu erreichen, werden möglichst viele Gesichtspunkte wie Ertragserhebungen, Geschmacksbeschreibungen und die Ergebnisse der Untersuchungen mit den Bildschaffenden Methoden berücksichtigt. Diese fließen anschließend in die Selektionsentscheidung ein. Durch gezielten Nachbau von Einzelpflanzen und Zuchtlinien prüft sie, welche Pflanzen und Linien die Gesamtheit der Eigenschaften in einem ausgewogenen Verhältnis weitervererben. Diese Stabilität ist für sie Ausdruck eines inneren Gleichgewichtes.

Seit 2001 führt die Züchterin Versuche über den Einfluss von Klangintervallen auf das Pflanzenwachstum durch. Dabei wird das Saatgut verschiedener Kulturpflanzen, aber auch Wildpflanzen mit Klängen behandelt und im Nachbau über mehrere Generationen beobachtet und untersucht.

Züchterisch arbeitet Ute Kichgaesser an den Kulturen Spinat, Grünkohl sowie Rote und Weiße Bete. Daraus ist die Rote Bete-Sorte Jannis entstanden, eine früh abreifende Sorte mit guten Lagereigenschaften und einem mild-aromatischen Geschmack. Eine Weiße Bete steht kurz vor der Sortenanmeldung. Erhaltungszüchterisch arbeitet sie an Buschbohne, Lauch, Radieschen, Zucchini, Zwiebel, Blumenkohl, Rote Bete, Einlegegurke, Salat, Chinakohl und Paprika.

Thomas Heinze

Bingenheim, Hessen

„Kulturpflanzen sind Ausdruck unseres Verhältnisses zu ihnen.“

DER BETRIEB
Der Zuchtund Forschungsbetrieb ist als selbstständiger Betrieb der Lebensgemeinschaft Bingenheim angegliedert. Langjährig biologisch-dynamisch bewirtschaftete Flächen des landwirtschaftlichen Betriebes der Lebensgemeinschaft sind gepachtet und stehen für Forschung, Sortenprüfung und Züchtung zur Verfügung.

DER ZÜCHTER
Thomas Heinze hat eine langjährige Erfahrung in der Saatgutvermehrung, der Gemüsezüchtung und der Züchtungsforschung. Er hat die Bingenheimer Saatgutwerkstatt mit aufgebaut, die sich der Aufbereitung und dem Vertrieb von biologischem Gemüsesaatgut angenommen hat. Daraus ist 2001 die Bingenheimer Saatgut AG entstanden. Seit 2008 ist Thomas Heinze für die Durchführung der Züchter-Fortbildung verantwortlich.

ZÜCHTERISCHE ARBEIT
Weitergezüchtet wird an mittelfrühen Möhrensorten. Dabei spielt neben den gärtnerischen Qualitätskriterien in erster Linie der Geschmack eine besondere Rolle. Wenn „Gemüse essen“ ein Genuss sein soll, dann müssen Aroma und Süße ausgewogen sein. Darauf achtet Thomas Heinze auch bei der Entwicklung von Rote Bete-Sorten. Angestrebt werden ertragreiche, feinschalige, gut durchgefärbte Rüben, die einen möglichst geringen Nitratgehalt haben. Die Sortenverarmung bei samenfesten Brokkolisorten drängt nach intensiven Bemühungen bei dieser Art. Mehrere Brokkoli-Zuchtlinien sind in der Bearbeitung, wie auch Zuchtlinien von Pflücksalaten, Porree und Wirsing.

In der Pflanzenzüchtung ist es notwendig, die Pflanze zu einer Weiterentwicklung zu führen, um aus dem „Neuen“ das vielleicht Zukünftige auszuwählen. Dieses geschieht heutzutage auf der Ebene der Stoffe, indem diese neu kombiniert werden (z. B. Kreuzungen) oder diese verändert werden (z. B. Bestrahlungen).

Thomas Heinze geht der Frage nach, inwieweit es möglich ist, auf die Lebenskräfte der Pflanze einzuwirken und auf diese Weise sichtbare Veränderungen herbeizuführen. Dabei wird erforscht, welchen Einfluss die „Behandlung“ der Pflanzen mit Eurythmie und Sprache auf deren Wachstum, Gestalt und Qualität hat – auch über Generationen hinweg. Schließlich geht es darum zu erfahren, ob dies ein Weg sein kann, die Pflanze in einen Entwicklungsprozess zu führen.

Bisher wurden folgende Sorten an diesem Standort entwickelt: Möhre Robila, Oxhella, Gelbe Gochsheimer und Soletta, Bohne Helios und Philetta, Pflücksalat Bijella, Rote Bete Ronjana, Porree Kulaures, Brokkoli Calinaro.

Stefan Eysermans

Murr, Baden-Württemberg

Gärtnerei von Woedtke  
Murr liegt im Naturraum Neckarbecken in 196 bis 261 Meter Höhe an der Murr. Dort arbeitet und züchten Stefan Eysermans und Michiel Groen in der vielseitigen Gärtnerei von Woedtke, die seit 1987 Demeter Vertragspartner ist. Stefan Eysermans züchtete die Melone Murrmel, die unter anderem von der ansässigen Eisdiele, mit der Demeter-Milch vom örtlichen Demeter-Hof, zu einem leckeren Eis verarbeitet wird. Das "besondere" an der Murrmel ist nämlich ihr Geschmack. Michiel Groen hat seinen züchterischen Schwerpunkt auf die Verbesserung von Chinakohl und Romanesco gelegt. 

Stefan Eysermans` Neuzüchtung: 
Melone: Murrmel

Michiel Groens Neuzüchtung:
Lauch: Haldor
Blumenkohl: Amabile

Zusätzlich Erhaltungszüchtung:
Feldsalat: Elan
sowie Stangenbohne, Tomate, Lauch, Sellerie, Kohlrabi, Radies, verschiedene Salate und Rote Bete.

Ralzhof

Salem, Baden-Württemberg

„Dem Wesen der Pflanze in seinen Ausdrucksmöglichkeiten Raum geben und in dem Geschenk der Vielfalt dasjenige finden, was den Anforderungen des gärtnerischen Anbaus gerecht werden kann.“

DER BETRIEB
Das Hofgut Rengoldshausen mit dem Ralzhof liegt in der hügeligen Moränenlandschaft am Nordufer des Bodensees. Ein mildes, ausgeglichenes Klima mit 850 mm Jahresniederschlag und steinige, mittlere bis tiefgründige Böden prägen den Betrieb. Auf insgesamt 180 ha wird eine vielseitige biologisch-dynamische Landwirtschaft mit Milchviehwirtschaft, Ackerund Feldgemüsebau betrieben sowie eine intensive Gärtnerei mit Feingemüse auf 30 ha Freiland und 5.000 m2 Gewächshausfläche. Für den Samenbau stehen 2 ha Freiland und 1.000 m2 Folientunnel zur Verfügung.

DIE ZÜCHTERINNEN
Vera Becher ist als Betriebsleiterin verantwortlich für den Samenbau auf dem Ralzhof. Neben einer vielfältigen Vermehrungstätigkeit arbeitet sie züchterisch vor allem an Freilandkulturen mit Schwerpunkt Blattgemüse Iris Attrot ergänzt seit 2013 die Palette der züchterisch bearbeiteten Kulturen um den Bereich Fruchtgemüse.

Beide Züchterinnen setzen die von Brigitte von Wistinghausen begründete Saatgutarbeit in Rengoldshausen fort.

ZÜCHTERISCHE ARBEIT
Züchterisch gearbeitet wird an Spinat, verschiedenen Salaten, Lauch, Chicorée und Fenchel sowie Buschbohne, Gurke, Aubergine, Paprika und Tomate.

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Peter Kiefer

Rot an der Rot, Baden-Württemberg

„Ich möchte Sorten mit hoher Nahrungsqualität entwickeln, die den Ansprüchen der Erwerbsanbauer gerecht werden und mit dem Düngeangebot eines geschlossenen Betriebskreislaufes zurechtkommen.“

DER BETRIEB
Im südlichen Oberschwaben am Rand zum Allgäu zwischen Rotund Illertal liegen die Flächen des Familienbetriebes auf ca. 600 m über NN. Sandige Lehme mit 40 bis 50 Bodenpunkten und 900 bis 1.200 mm Niederschlag bilden die Voraussetzungen für einen kleinstrukturierten, vielseitigen Gemischtbetrieb mit 15 ha. Er wird seit über 30 Jahren ökologisch, seit ca. 15 Jahren biologisch-dynamisch in einem weitgehend geschlossenen Betriebskreislauf bewirtschaftet. Grünland und Kleegras verwerten eine

Mutterkuhherde und Weidegänse. Getreide, Kartoffeln, Mohn und Gemüse sind beständige Kulturen der Ackerfruchtfolge. Die Saatgutvermehrung von Blumen und Gemüse ergänzt das Bild eines bunten Ackers.

DER ZÜCHTER
Der Traum von bäuerlicher Landwirtschaft mit hohem Selbstversorgungsgrad ermutigte Peter Kiefer vor über 30 Jahren zum Einstieg in den Ökolandbau, anfänglich im Nebenerwerb und seit dem Meisterkurs Ökologische Landwirtschaft vor 20 Jahren im Haupterwerb. Rüstzeug zur züchterischen Pflege und Weiterentwicklung brachte die Fortbildung für biologisch-dynamische Gemüsezüchtung von Kultursaat.

ZÜCHTERISCHE ARBEIT
Motiviert durch die Vision von unabhängigem Saatgut in der Hand von Bauern und Gärtnern werden seit mehr als 15 Jahren diverse Kulturen hauptsächlich für die Bingenheimer Saatgut AG vermehrt. Begonnen hat dies mit Möhren, bald kamen Feldsalat, Rote Bete, Pastinaken oder auch Kürbis dazu. Außerdem werden Borretsch, Kornund Ringelblumen sowie Kapuzinerkresse vermehrt. Doch nicht jede Kultur kommt mit dem Grenzstandort zurecht, so war beispielsweise die Vermehrung von Dill unsicher.

Durch den Anbau von Gemüse für den Markt und durch die Pflege der Vermehrungsbestände entstand zu einzelnen Sorten eine besondere Beziehung und ein gezielter Blick für Merkmale, die betrachtet und bearbeitet werden wollen. Aktuell wird der Kürbis der Sorte Red Kuri züchterisch bearbeitet. Dabei liegt besondere Aufmerksamkeit in Merkmalen wie Schalenbeschaffenheit, Einheitlichkeit, Geschmack und Lagerfähigkeit.

Kulturpflanzenentwicklung Obergrashof

Dachau, Bayern

Julian: „Begeisterung für das vollständige Erleben einer Gemüsepflanze zwischen der Konzentration im Samenkorn und der Ausdehnung im jährlichen Wachstum und die Frage nach der Qualität unserer Nahrungspflanzen – das bringt mich voran.“

Urban: „Ich freue mich, wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.“ (Karl Valentin)

DER BETRIEB
Der Obergrashof liegt nordwestlich von München im Dachauer Moos, eine in den letzten 150 Jahren trockengelegte Moorgegend. Die flache Landschaft ist charakterisiert durch viele Wasserläufe und Wasserflächen. Als gestaltende Elemente kommen Feldhecken, Baumreihen, Waldstücke und Dauergrünland dazu. Das Grundwasser steht bei 1,80 m im Kalkschotter, der anmoorige Oberboden ist schwarz mit einem Humusgehalt von ca. 20 %. Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 8,5 °C, der Niederschlag bei 650 mm, die Höhe bei 485 m über NN.

Der Demeter-Betrieb bewirtschaftet 148 ha (62 ha Gemüse sowie Grünland für die Versorgung der Mutterkuhherde). Die Vermarktung läuft über den Bio-Großhandel und regionale Abokisten. Die Saatgutarbeit ist seit Hofgründung 1991 Bestandteil des Betriebes – seit dem Jahr 2021 eigenständig unter dem Dach des gemeinnützigen Vereins „Kulturpflanzenentwicklung Obergrashof“.

DIE ZÜCHTER
Seit 1986 beschäftigt sich Julian Jacobs mit Saatgutarbeit. Für ihn sollen der äußeren Qualität einer Sorte – die dem Gärtner einen sicheren Ertrag bieten muss – die inneren Werte ebenbürtig gegenüber stehen. Durch Auslese von hervorragenden Einzelpflanzen und einen deren Lebenskräfte stützenden Umgang, versucht Julian Jacobs, die Pflanzenentwicklung umfassend zu fördern. Daraus erwächst eine harmonisch-kräftige, innere Lebendigkeit, die ihren Ausdruck in vollem Geschmack und guter Bekömmlichkeit findet. Die Nahrungspflanze bietet so die Grundlage für eine umfassende Entwicklung des Menschen. Wesentlicher Bestandteil der Arbeit sind in den letzten Jahren Projekte der Grundlagenforschung geworden.

Im Jahr 2018 ist Urban Ewald nach gartenbaulicher und züchterischer Ausbildung in die Züchtungsarbeit am Obergrashof eingestiegen. Schwerpunkte seiner Tätigkeit sind die gärtnerische Betreuung der Samenträger (Samenbau) sowie die Grünkohlund Spinatzüchtung. Außerdem vertritt er den Kultursaat e.V. in der Interessengemeinschaft für gentechnikfreie Saatgutarbeit (IG Saatgut).

ZÜCHTERISCHE ARBEIT
Der großflächige Erwerbsgemüsebau am Obergrashof bietet gute Möglichkeiten für die Selektion der Samenträger. Gleichzeitig ist eine stetige Rückkoppelung der Züchtungsarbeit mit den Anforderungen in Anbau und Vermarktung gegeben. Seit Beginn seiner Züchtungsarbeit begleitet Julian Jacobs der Blumenkohl. Daraus entstanden sind bisher die Kultursaat-Sorten Odysseus, Nuage, Tabiro und Daniel. Bei Kohlrabi gibt es bisher die Neuzulassungen Rasko, Fridolin und Orinoko, beim Rettich die Sorten Laurin und Edward (derzeit in Anmeldung) und bei Chicorée die Sorte Etardo. Möhre ist außerdem in Bearbeitung und mit Urban Ewald sind Grünkohl und Spinat als Züchtungskulturen hinzugekommen.

Piluweri

Mühlheim, Baden-Württemberg

„Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, dass Nahrungsmittel entstehen können, die den Menschen in seiner ganzheitlichen Entwicklung unterstützen.“

DER BETRIEB
Die Demeter-Gärtnerei Piluweri ist ein Er- werbsgemüsebaubetrieb in der Oberrhein- ebene zwischen Freiburg und Basel. Auf ei- ner Fläche von 40 ha Freiland und 9.000 m2 Gewächshäusern wird im milden Wein- bauklima ganzjährig eine breite Palette an Gemüsekulturen angebaut. Vermarktet wird über einen Wochenmarkt, den Verkauf ab Hof, einen eigenen Lieferservice und den Na- turkost-(Groß)Handel. Die Böden sind leicht bis mittelschwer, der Jahresniederschlag beträgt im Durchschnitt 700 mm. Der über- wiegende Teil der Flächen kann bei Bedarf bewässert werden.

DIE ZÜCHTER
Innerhalb der Betriebsgemeinschaft sind und waren verschiedene Menschen mit Züchtungsaufgaben beschäftigt: Annette Tillmanns, Sebastian Freund, Oliver Christ, Richard Specht, Michael Pickel und Horst Ritter.

ZÜCHTERISCHE ARBEIT
Ihre Züchtungsarbeit betrachten die Gärt- nerinnen und Gärtne bei Piluweri als einen Beitrag im Rahmen des Netzwerkes Kultur- saat, um mit samenfesten, biologisch-dyna- misch gezüchteten Sorten Alternativen zu den Sorten des globalen Saatgutmarktes zu entwickeln.

Aus der Vermehrungsarbeit und dem tägli- chen Umgang mit unterschiedlichsten An- baueigenschaften ist das Interesse an der Pflege und Weiterentwicklung der einzelnen Sorten entstanden. Wesentliche Züchtungs- kriterien sind dabei die Gesichtspunkte, die der Anbauer an eine Sorte hat, wie die Vitalität der Pflanzen, eine robuste Feldge- sundheit und ein kostendeckender Ertrag. Nach dem Anbau und der Ernte sind aber auch der Genuss, der Geschmack und die Bekömmlichkeit wichtige Gesichtspunkte und erzeugen im besten Fall eine „Lust auf mehr“.

Bisher wurden an diesem Standort folgen- de Sorten entwickelt: Möhre Milan, Paprika Pantos, Salat Briweri, Piro und Zulu, Winter- lauch Avano, Tomate Pilu und Tica, Aubergi- ne Zora. Aktuell wird an Basilikum, Rucola und Tomate züchterisch gearbeitet.

Samuel Widmer

Andwil TG, Schweiz

„Es ist eine großartige Aufgabe, Kulturpflanzen über Generationen zu begleiten, sie zu pflegen und sie darin zu unterstützen, Nahrungsqualitäten auszubilden, welche die menschliche Entwicklung fördern können.“

DER BETRIEB
Der 2,2 ha große Saatgutbetrieb liegt 8 km südlich des Bodensees auf der Südseite des Seerückens 480 m über NN. Der Boden ist mittelschwer, im Osten und Süden bilden die Alpen den Horizont.

DER ZÜCHTER
Nach der vierjährigen biologisch-dynamischen Landwirtschaftslehre, gefolgt von zwei Jahren Gemüsegärtnerlehre, besuchte Samuel Widmer ein Jahr die Landbauschule am Dottenfelderhof. 2010 schloss er seine Ausbildung mit dem Gärtnermeisterdiplom ab. Sieben Jahre lang hat er als Betriebsleiter der Gärtnerei Ekkharthof den Saatgutanbau geleitet. Seit 2006 ist er selbständig und betreibt eine eigene Samengärtnerei in Andwil TG, Schweiz.

ZÜCHTERISCHE ARBEIT
Samuel Widmer vermehrt eine große Vielfalt von Wildblumenund Gemüsearten. Heilpflanzenkulturen sowie einige Kräuterund Gemüsebeete runden den Anbau ab. Der Feldanbau für die Züchtung erfolgt in Zusammenarbeit mit umliegenden Gemüsebaubetrieben. Dadurch stehen genügend große Bestände für die Selektionen zur Verfügung. Durch die Zusammenarbeit mit einer anthroposophischen Ärztin hat die Züchtung eine weitere Dimension erhalten, indem es darum geht, die Nahrungsqualität gezielt zu verbessern. Für den Verein Kultursaat wird Chicorée bearbeitet. Es wurde eine samenfeste Sorte mit speziell gutem Geschmack vom traditionellen Anbau mit Deckerde auf eine Treiberei ohne Deckerde umgezüchtet. Sie soll nun in Bezug auf Einheitlichkeit und Nahrungsqualität verbessert werden. Eine weitere Sorte hat ihren Ursprung in einer älteren Hybride. Sie ist mittlerweile vom Bundessortenamt als Neuzüchtung mit der Bezeichnung Macun zugelassen und hat bereits den Weg in professionelle, moderne Treibereien gefunden.

Kulturpflanzenentwicklung Wulfsdorf

Ahrensburg, Schleswig-Holstein

„Die Beziehung des Züchters zur Pflanze und seine Haltung haben maßgeblichen Einfluss auf die Ernährungsqualität.“

DER BETRIEB
Gut Wulfsdorf liegt im Nordosten von Hamburg in einer leicht hügeligen NeumoränenLandschaft mit leichten Sandböden (25-35 Bodenpunkte). Das Klima ist humid mit ca. 800 mm Niederschlag. Der Betrieb wirtschaftet biologisch-dynamisch und umfasst insgesamt 350 ha Fläche, davon 280 ha Getreideund Futterbau und 20 ha Gemüse. Die Züchtung ist finanziell und personell unabhängig vom landwirtschaftlichen Betrieb, der Betrieb stellt jedoch eine 1 ha große Züchtungsfläche zur Verfügung und gewährt alle denkbare Unterstützung. Die Selektionsbestände von Möhren, Porree und Kohl sind in den Erwerbsgemüsebau integriert.

DIE ZÜCHTERINNEN
Nach dem Besuch einer Schule für biologisch-dynamischen Landund Gartenbau in den Niederlanden studierte Christina Henatsch Agrarwissenschaften in Bonn. In den darauf folgenden fünf Jahren arbeitete sie im Erwerbsgemüsebau in den Niederlanden, Schweden und Deutschland. 2001 stieg sie in den Samenbau ein und begann mit ersten Züchtungsversuchen. Der Umzug nach Wulfsdorf erfolgte 2002, wo sie das Spektrum der bearbeiteten Kulturen erweiterte und die Züchtungsforschung ausbaute. Christina Henatschs Motivation für die Züchtung ist ebenso pragmatisch wie idealistisch. Zunächst geht es ihr darum, samenfeste Sorten zu entwickeln, die für den Erwerbsanbau geeignet sind. Diese sollen eine Unabhängigkeit von multinationalen Saatgutkonzernen ermöglichen. Wichtig ist ihr außerdem, dass sich die Sorten durch einen sehr guten Geschmack, hohe Ernährungsqualität und Bekömmlichkeit auszeichnen. Das daraus entstehende Gemüse soll den Menschen sowohl in seiner physischen als auch in seiner geistig-seelischen Entwicklung stärken können. Seit 2014 wirkt Marina Harmsen als Jungzüchterin im Betrieb mit. Zunächst war sie Auszubildende, inzwischen verantwortet sie den Anbau der Kulturbestände sowie den Samenbau und unterstützt lernend in der Züchtungsund Forschungsarbeit.

ZÜCHTERISCHE ARBEIT
In der Selektion arbeitet Christina Henatsch hauptsächlich mit positiver Massenauslese auf äußere Merkmale in großen Beständen. Danach erfolgt eine Auslese auf Innenqualität und Geschmack. Bei manchen Kulturen wird eine Prüfung und Selektion aus Einzelpflanzen-Nachkommenschaften hinzugezogen. In der Forschung möchte sie Methoden und Wege finden, um sich dem Wesen der Pflanze zu nähern und diese – ihrem Wesen entsprechend – aus dem Lebendigen heraus zu kräftigen. Dies geschieht u.a. durch Saatgutbehandlungen mit Meditation. Die hieraus entstehenden Forschungsergebnisse werden in den Züchtungsprozess integriert. Ausgehend von den Bildekräfte-Beobachtungen der einzelnen Sorten werden Behandlungskompositionen entwickelt mit dem Ziel, die Ernährungsqualität zu verbessern und zu intensivieren.

Bisher wurden folgende Sorten an diesem Standort entwickelt: Möhre Fine und Solvita, Spinat Thorin, Spitzkohl Eerstling, Mangold Pirol, Roscho, Salimo und Limago, Lauch Philomene, Salat Lucinde, Brokkoli Rasmus, Buschbohne Brigit.

Arne von Schulz

Fredeburg, Schleswig-Holstein

„Mit unseren Fähigkeiten haben wir es in der Hand: Je grüner der Daumen umso samenfester die Sorten.“

DER BETRIEB
Die Domäne Fredeburg liegt im Naturpark Lauenburgische Seen circa 50 km östlich von Hamburg. Die Landschaft ist durch die jüngste Eiszeit vor 10.000 Jahren entstanden. Wälder, Felder und Seen wechseln sich in einer leicht hügeligen Topografie ab. Die Böden sind sehr verschieden: lehmige, sandige und anmoorige Äcker. Das Klima wechselt zwischen submaritim und subkontinental. Die Domäne ist ein Pachtbetrieb des Kreises Herzogtum Lauenburg und wird seit 1991 biologisch-dynamisch bewirtschaftet. Wichtige Betriebszweige des 175 ha großen Betriebes sind Getreidebau mit eigener Aufbereitung, Kartoffelbau, Ackerfutterbau, Gemüsebau, Milchverarbeitung sowie die

Hauswirtschaft. Die Erzeugnisse werden fast ausschließlich im eigenen Hofladen und in der Region direkt vermarktet.

Das Gemüse wächst auf rund 4 ha. Die Hälfte davon ist fest in die landwirtschaftliche Fruchtfolge eingebunden, die andere Hälfte wird im Feldgarten mit separater Fruchtfolge angebaut. Der Anbau gestaltet sich mit ca. 40 Gemüsekulturen recht vielseitig, und es werden fast ausschließlich samenfeste Sorten verwendet. Die Jungpflanzen werden überwiegend selbst angezogen. Gemüsesaatgutvermehrung und Züchtung werden in enger Absprache mit dem Gemüsebau durchgeführt.

DER ZÜCHTER UND SEINE ARBEIT
Neben der langjährigen Vermehrung diverser Sorten wird auf der Domäne Fredeburg seit vielen Jahren züchterisch gearbeitet. 1996 machte Arne von Schulz seine ersten Versuche bei der Selektion von Wirsing. Nach und nach kamen mehr Kulturen hinzu, einige aus purer Notwendigkeit, andere aus reiner Neugier und Interesse. Methodisch arbeitet Arne von Schulz mit positiver Massenauslese und mit Prüfung der Nachkommenschaften einzelner Pflanzen, aus denen dann weiter selektiert wird.

Gezüchtet wird an Wirsing, Möhre, Zuckerhut, Petersilienwurzel, Rosenkohl und Porree. Erhaltungszucht wird für Wirsing Smaragd und Kürbis Blue Ballet durchgeführt.

Oldendorfer Saatzucht

Holste, Niedersachsen

„In einer heilsamen Umgebung kann die Pflanze ihre wesensgemäßen Möglichkeiten zeigen. Der Züchter schafft die Bedingungen und selektiert nach seinen Vorstellungen. Diese bildet er aus der Beobachtung seiner Linien und durch die Erfordernisse für den gärtnerischen Erwerbsanbau. Wichtig ist uns, dass seine Vorstellungen sich nicht verfestigen und immer wieder umgebildet werden können.“

DER BETRIEB
In der norddeutschen Tiefebene zwischen Bremen und Bremerhaven liegen die Flächen der Oldendorfer Saatzucht auf der Geest. Die Böden sind leicht, ca. 25 bis 35 Bodenpunkte, zumeist humose Sandböden mit teilweise anlehmigem und beim Grünland anmoorigem Charakter. Der Betrieb ist in eine wunderschöne Landschaft eingebettet, von Wald und Hecken umgeben. Die Fläche umfasst 6,5 ha mit Grünland (4,2 ha), Gemüsefläche für Samenbau und Züchtung (2 ha) und geschütztem Anbau (gut 0,2 ha). Eine Mutterkuhherde dient über eine Futter-Mist-Kooperation der Idee vom biologisch-dynamischen Betriebskreislauf. Für spezielle Arbeiten wie das Hacken in hohen Samenträgerbeständen, Pflügen im Gewächshaus und leichtere Ackerarbeiten wird eine Schwarzwälder Kaltblutstute eingesetzt.

DIE ZÜCHTER
Ulrike Behrendt, Jahrgang 1959, arbeitete nach der Gärtnerausbildung u.a. am EkkharthofinderSchweiz.Anschließendbelegtesieein anthroposophisch-naturwissenschaftliches Studienjahr am Goetheanum. Dort festigte sich bei ihr der Wunsch, in der Pflanzenzüchtung zu arbeiten. Nach einer Periode der Mitarbeit in einem konventionellen Zuchtbetrieb machte sie das Gartenbaustudium an der Fachhochschule Osnabrück mit Vertiefung der Fachgebiete Samenbau und Züchtung. 1992 folgten der Schritt in die Selbstständigkeit und der Aufbau des Betriebs Oldendorfer Saatzucht.

Florian Jordan durchlief nach abgeschlossenem Biologiestudium die 4-jährige Freie Ausbildung zum Gärtner. Im Zuge dieser Ausbildung kam er 2010 nach Oldendorf. Aus den Lernmöglichkeiten im Betrieb und der Teilnahme an der Kultursaat Züchterfortbildung entwickelte sich mit der Zeit ein großes Interesse an der Züchtungsarbeit und der Entwicklung von Pflanzen. Seit 2017 ist er in enger Zusammenarbeit mit Ulrike Behrendt an der Betriebsentwicklung beteiligt und wird den Betrieb 2022 zu großen Teilen übernehmen.

ZÜCHTERISCHE ARBEIT
Der Samenbaubetrieb ist mit seiner großen Anzahl an Kulturen auf Vielseitigkeit angelegt. Gurke, Tomate, Paprika, Salat, Kürbis, Zaphito, Pastinake, Rote Bete, Möhre, Endivie, Radies, Spitzkohl, Puffbohne und Winterpostelein sind im Programm. Neuzüchtung wird an Schlangengurke, Tomate, Salat, Chinakohl, Spitzkohl, Möhre und Pastinake betrieben. Darüber hinaus konnte eine fruchtbare Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen in mehreren Drittmittelprojekten etabliert werden.

Erfahrungsgemäß sind für Gärtnereien im Norden die Sorten am besten angepasst, welche auch dort gezüchtet wurden. Vor diesem Hintergrund ist es Ziel, an die hiesigen ertragsarmen Böden angepasste Sorten zu entwickeln, die durch ihren Geschmack sowie die Pflanzengesundheit überzeugen und sich zukunftsgerichtet bei trockenen Bedingungen bewähren.

Annette Maaß

Vollersode, Niedersachsen

„Die in den Pflanzen verborgene Vielfalt zu erforschen, zu erhalten und als Lebensmittel nutzbar zu machen, das ist mein Ziel. Der lebendige Kontakt mit der Pflanze ist für mich dabei die Grundlage jeglichen gärtnerischen und züchterischen Tuns. Im Kulturimpuls entwickeln sich Mensch und Pflanze gleichermaßen aneinander und miteinander.“

DER BETRIEB
Seit 2015 ist die Arbeit um und am Saatgut eingebettet in die Gärtnerei Kronacker, 37 km nordöstlich von Bremen auf den anlehmigen Sandböden des Geestrückens. Angrenzend ans Teufelsmoor wird auf 5 ha Freiland und 2.000 m2 Tunnel und Gewächshaus eine Vielfalt an Gemüse biologischdynamisch angebaut. Vermarktet wird über den angegliederten Abobetrieb und verschiedene Läden.

DIE ZÜCHTERIN
Die Faszination einer Handvoll Samen hat Annette Maaß schon als Kind berührt. Als Gärtnerin stellten sich ihr viele Fragen zum Saatgut, der Sorte und zur Herkunft. Als Züchterin schöpft sie ihre Ziele und Ansätze für neue Sorten einerseits aus diesen praktischen Erfahrungen, andererseits ist sie geprägt von der Schule der Pflanzenzüchtung aus anthroposophischer Erkenntnis nach Dieter Bauer. Annette Maaß hat zunächst eine Ausbildung im konventionellen Gemüsebau in Köln Fischenich gemacht. Daran anschließend absolvierte sie eine Weiterbildung zum biologisch-dynamischen Landund Gartenbau auf dem Warmonderhof (NL) und den Jahreskurs der Landbauschule Dottenfelderhof. Seit 1994 ist sie im Bereich Züchtung und Vermehrung tätig. Nach 10 Jahren eigenem Nebenerwerbsbetrieb Maasssaaten und Mitarbeit in der Oldendorfer Saatzucht arbeitet sie seit 2015 züchterisch im größeren Zusammenhang der Gärtnerei Kronacker.

ZÜCHTERISCHE ARBEIT
Aus der Wirsingzüchtung ging die KultursaatSorte Sankt Martin hervor. Desweiteren wurde die Vigna-Bohne Canetti zur Marktreife gebracht und auch die Lauchzwiebel Ischikrona hat die Prüfung beim Bundessortenamt bestanden. Aktuell laufen Neuzüchtungsprojekte mit Grünkohl sowie rotund weißfleischigen Gemüsezwiebeln. Außerdem arbeitet die Züchterin u.a. an der Verbesserung des Gluckentyps und der Frühzeitigkeit von Buschbohnen, der Marktfähigkeit von Gartenmelde sowie an der Weiterentwicklung von verschiedenen Feldsalattypen mit klassischen Züchtungsmethoden. Robustes und vitales Wachstum sowie frühzeitige Fruchtbildung stehen bei der Zucchinizüchtung im Vordergrund. Im Bereich der Grundlagenforschung arbeitet sie mit Winterkräften, Eurythmie, potenzierten Präparaten und Bildekräfteuntersuchungen. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Anpassung von Sorten auf das regenerative Bodensystem, da Humusaufbau der Pflanze eine aktivere Wurzelorganisation abverlangt. Der sehr direkte Austausch zwischen Gärtner, Züchterin, Vermarkterinnen und Kunde in der Gärtnerei Kornacker beeinflusst die Sortenentwicklung stark. Nicht zuletzt wirken der klimatisch ungewöhnliche Standort und die biologisch-dynamische Präparatearbeit als Basiskräfte.

Johanna Fellner

Hitzacker, Niedersachsen

„Pflanzen im lebendigen Zusammenhang tagtäglich erleben zu dürfen und sie in ihrer Entwicklung über viele Jahre zu begleiten, ist ein gro- ßes Geschenk für mich.“

DER BETRIEB
Der Forschungs- und Zuchtgarten von Johanna Fellner liegt in Harlingen 3 km von Hitz- acker (Elbe) entfernt. Hitzacker liegt auf ca. 12 bis 86 m über NN. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt ca. 10 °C und der durchschnittliche jährliche Niederschlag beträgt ca. 721 mm. Der Betrieb besteht aus 1,4 ha Ackerland und 2.000 m2 Ödland und wurde im März 2021 gegründet. Durch unterschiedliche Kooperationen in der Region, ist der Betrieb in ein Netzwerk aus biologisch-dynamisch arbeitenden Betrieben eingebettet.

DIE ZÜCHTERIN
Johanna Fellner, Jahrgang 1988, machte von 2008 bis 2012 die freie Ausbildung. Während dieser Zeit erlangte sie erste Einblicke in die züchterische Arbeit. Nach einem Gesellenjahr auf dem CSA Hof Pente nahm sie 2013/14 an der Fortbildung zur biologisch-dynamischen Gemüsezüchtung teil, um die züchterische Arbeit vertieft kennenzulernen. 2013 bis 2016 arbeitete sie auf dem Gärtnerhof Röllingsen im Bereich der Saatgutvermehrung, der Jungpflanzenanzucht und im geschützten Anbau. Sie arbeitete sich in die züchterische Arbeit ein, indem sie an diversen Kulturen Zuchtlinien- vergleiche und Sortensichtungen durchführte. 2016/17 nahm sie am Jahreskurs der Landbauschule Dottenfelderhof teil und legte die Prü- fung zur staatl. geprüften Fachkraft für biologisch-dynamischen Landbau ab. 2017 bis 2020 arbeitete Johanna Fellner auf dem Dottenfelderhof und übernahm die Züchtungen von Dieter Bauer, die sie nun weiterführt.

ZÜCHTERISCHE ARBEIT
Johanna Fellner begann ihre Arbeit bei Kultursaat mit dem Vergleichen von Zuchtlinien verschiedener Kulturen. Seit 2017 ist sie für die Erhaltungszucht von Sorten verant- wortlich, die Dieter Bauer entwickelt hat und führt diverse Kopfkohl- und Möhren-Zuchtlinien von ihm weiter. Ebenso hat sie von Thomas Heinze Zuchtlinien von gelber und weißer Bete übernommen sowie eine violette Buschbohne von Hartmut Spieß. Die Zuchtlinien und Sorten werden überwiegend über positive Massenauslese weitergeführt. Dabei sind die Biologisch-Dynamische Wirtschaftsweise und ein ganzheitliches Pflanzenbild die Grundlage ihrer Arbeit.

Robert Hahn-Godeffroy

Waddeweitz, Niedersachsen

„Die Erhaltung und Weiterentwicklung samenfester Sorten, die den Menschen in Gänze nähren, sehe ich als ein grundlegendes Streben für die Erschaffung einer enkeltauglichen Landwirtschafts-Kultur.“

DER BETRIEB
Die Gärtnerei Marlin liegt im Herzen des niedersächsischen Wendlandes auf 45 m über NN. Biologisch-dynamisch bewirtschaftet werden 3,95 ha humose Sandböden (2,25 ha Acker, 1,6 ha Grünland, 1.100 m2 unter Glas) bei mittlerer Jahrestemperatur von 9,2 °C und mittlerem Niederschlag von 548 mm. Hauptstandbein des 2018 gegründeten Betriebes ist die solidarische Landwirtschaft mit 80 Anteilen, für welche rund 60 Gemüsekulturen, Kräuter und Blumen angebaut werden. Des Weiteren werden Jungpflanzen aus ausschließlich samenfestem Saatgut für den eigenen Anbau, andere Erwerbsbetriebe sowie Hobbygärtnerinnen angezogen. Die Vermehrungsund Züchtungsarbeit an verschiedenen Gemüsekulturen findet integriert in die solidarische Landwirtschaft statt.

DER ZÜCHTER
Den Einstieg in die Landwirtschaft fand Robert Hahn-Godeffroy 2003 mit einer Ausbildung zum Landwirt. Es folgte das Bachelor-Studium der ökologischen Agrarwissenschaften in Witzenhausen, wo er Dank der biologisch-dynamischen Stiftungsprofessur seine Kenntnisse in dieser Bewirtschaftungsform vertiefen konnte. Er sammelte erste Eindrücke und Erfahrungen in der Züchtung und Vermehrung von Gemüsekulturen bei verschiedenen Betrieben des Dreschflegel e.V. Nach Abschluss des Studiums leitete er für rund ein Jahr den Gemüsebau auf Gut Rothenhausen. 2012 nahm er das Ökolandbau-Studium erneut auf und absolvierte 2015 seinen Master of Science. Parallel arbeitet er als Geselle im Saatgutbetrieb von Q. Wember (Dreschflegel e.V.) und nahm an der Fortbildung zur biologisch-dynamischen Pflanzenzüchtung von Kultursaat teil. Seit 2018 ist er Betriebsleiter der Gärtnerei Marlin mit der klaren Ausrichtung, die züchterische Arbeit sowie die Vermehrung in den Erwerbsanbau zu integrieren.

ZÜCHTERISCHE ARBEIT
Die selbständige Züchtungsarbeit begann 2018 mit Erhaltungszüchtungen für das Sortenarchiv von Kultursaat (u.a. Grünkohl, Porree und Chinakohl). Zeitgleich etablierten sich am Standort die Saatgutvermehrung von verschiedenen Kulturen sowie die Erzeugung von Elitesaatgut. Als erstes eigenes Züchtungsprojekt arbeitet Robert Hahn-Godeffroy seit 2020 vertieft an Grünkohl. Methodisch wird mit positiver Massenauslese auf äußere Merkmale selektiert, gefolgt von einer sensorischen Prüfung auf Geschmack und innere Qualität.

Die enge Verflechtung der züchterischen Tätigkeit mit dem Erwerbsanbau wird als bereichernd wahrgenommen, da so z.B. direkte Rückmeldungen bezüglich Geschmack und Qualität aus der solidarischen Landwirtschaft ermöglicht werden. Zudem ist es dem Züchter ein wichtiges Anliegen, die Thematik der Erhaltung und Neuzüchtung von samenfesten Gemüsesorten durch aktive Kommunikation stärker in ein gesellschaftliches Bewusstsein zu bringen.